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Therapie

Neurofeedback (ILF-Verfahren nach Othmer)

Ein Trainingsverfahren, bei dem das Gehirn über eine Rückmeldung am Bildschirm lernt, seine eigene Aktivität zu regulieren – ohne dass etwas in den Körper hineingegeben wird.

Was passiert während einer Sitzung?

Beim Neurofeedback wird ein EEG abgeleitet – Elektroden am Kopf erfassen den Stromfluss, der im Gehirn auftritt. Anders als bei einer neurologischen EEG-Auswertung erfolgt diese Auswertung nicht qualitativ (Suche nach Krankheitsanzeichen), sondern quantitativ: Je nach Beschwerden wird die Aktivität in den entsprechenden Hirnbereichen erhoben.

Während des Trainings erhält das Gehirn eine Rückmeldung am Bildschirm und passt sich in seiner Funktion an – so können die Hirnströme durch gezieltes Training verändert werden. Dieses Prinzip nennt man Neuroplastizität.

Der Vorteil dieses Verfahrens

Es wird nichts in das Gehirn oder den Körper hineingegeben – das Gehirn nutzt seine eigene Selbststabilisierungskraft. Nebenwirkungen sind daher sehr gering bis gar nicht vorhanden.

Anwendungsbereiche

Immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen zeigen gute Erfolge z. B. bei AD(H)S und Depressionen. Neuere Verfahren, die mit sehr langsamen Wellenbereichen des EEGs arbeiten, lassen erkennen, dass es auch Einflüsse auf bisher schwer behandelbare „Kernsymptome“ gibt – etwa bei Persönlichkeitsstörungen und ADHS.

Dieses Verfahren wende ich auch in meiner Praxis an. Außerhalb der Psychotherapie wird es zudem zur Leistungsoptimierung („Peak Performance“) im Leistungssport und im Management eingesetzt.

Weitere Informationen: www.eeginfo-europe.com

Ablauf

  1. Diagnostische Phase: Dem Training geht eine intensive diagnostische Phase voraus – je nach Beschwerden wird die Aktivität in den entsprechenden Hirnbereichen erhoben.
  2. EEG-Ableitung: Elektroden am Kopf erfassen den Stromfluss im Gehirn; die Auswertung erfolgt quantitativ.
  3. Gezieltes Training: Über die Rückmeldung am Bildschirm passt sich das Gehirn in seiner Funktion an (Neuroplastizität) – die Hirnströme können so verändert werden.

Für wen ist Neurofeedback geeignet?

Nach dem derzeitigen Stand der Untersuchungen kommt Neurofeedback insbesondere in Betracht bei:

  • AD(H)S – hier zeigen immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen gute Erfolge
  • Depressionen
  • Persönlichkeitsstörungen – neuere Verfahren mit sehr langsamen EEG-Wellenbereichen lassen Einflüsse auf bisher schwer behandelbare „Kernsymptome“ erkennen
  • Außerhalb der Psychotherapie: Leistungsoptimierung („Peak Performance“) im Leistungssport und im Management

Grenzen des Verfahrens

Neurofeedback ist ein Verfahren, dessen wissenschaftliche Untersuchung noch andauert: Für einige Bereiche – etwa AD(H)S und Depressionen – liegen zunehmend Untersuchungen mit guten Erfolgen vor, für andere Bereiche lassen neuere Verfahren Einflüsse erst erkennen. Aussagen über den Nutzen im Einzelfall sind daher zurückhaltend zu treffen; ob und in welcher Form ein Training sinnvoll ist, klären wir gemeinsam nach der diagnostischen Phase.

Häufige Fragen

Wird dabei etwas in mein Gehirn „hineingegeben“?

Nein. Es wird nichts in das Gehirn oder den Körper hineingegeben – das Gehirn nutzt seine eigene Selbststabilisierungskraft. Nebenwirkungen sind daher sehr gering bis gar nicht vorhanden.

Ist das dasselbe wie ein EEG beim Neurologen?

Die Ableitung ähnelt einem EEG: Elektroden am Kopf erfassen den Stromfluss im Gehirn. Anders als bei einer neurologischen EEG-Auswertung wird aber nicht qualitativ nach Krankheitsanzeichen gesucht, sondern quantitativ die Aktivität in den – je nach Beschwerden – relevanten Hirnbereichen erhoben.

Wie können sich Hirnströme durch ein Training verändern?

Über eine Rückmeldung am Bildschirm passt sich das Gehirn in seiner Funktion an – dieses Prinzip nennt man Neuroplastizität. Voraussetzung ist eine intensive diagnostische Phase vor dem gezielten Training.

Wird Neurofeedback auch außerhalb der Psychotherapie eingesetzt?

Ja – außerhalb der Psychotherapie wird es zur Leistungsoptimierung („Peak Performance“) im Leistungssport und im Management eingesetzt.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Studie: Effekte bereits nach einer Sitzung (Dobrushina et al. 2020)

Erstmals wurden in einer randomisierten, kontrollierten Studie Effekte des Infra Low Frequency Neurofeedback (ILF Neurofeedback, auch Othmer-Methode) auf die Konnektivität und Gehirnaktivität nachgewiesen – und das bereits nach einer einzigen Sitzung. Die Studie von Dobrushina et al. mit dem Titel „Modulation of Intrinsic Brain Connectivity by Implicit Electroencephalographic Neurofeedback“ leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Wirkmechanismen.

Untersuchung an 52 Probanden: 52 gesunde Probanden absolvierten in einem doppelblinden, kontrollierten Versuchsdesign eine 30-minütige Sitzung ILF Neurofeedback (Elektrodenposition: T4/P4). Die Hälfte (Kontrollgruppe) erhielt ein Sham-Neurofeedback. Zuvor und danach wurde mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) im Ruhezustand die Aktivität neuronaler Netzwerke erfasst.

Ergebnis: Die Aufnahmen nach der Neurofeedback-Sitzung zeigen eine erhöhte Konnektivität zwischen Gehirnregionen, die mit Reizwahrnehmung (Salienz), Sprache und visuellen Netzwerken assoziiert sind – also mit multisensorischer Informationsverarbeitung. Diese erhöhte Konnektivität zeigt sich nur in der Experimentalgruppe, nicht in der Kontrollgruppe.

Originalstudie: Dobrushina et al. (2020). Modulation of Intrinsic Brain Connectivity by Implicit Electroencephalographic Neurofeedback. Frontiers in Human Neuroscience, 14:192.

Interesse an Neurofeedback?

Ob ein Training für Sie in Frage kommt, besprechen wir am besten persönlich – zum Beispiel im Rahmen der psychotherapeutischen Sprechstunde.

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