Willkommen
Diese App richtet sich an Erwachsene, die vor Kurzem eine Autismus-Diagnose erhalten haben. Sie soll helfen, die ersten Schritte zu ordnen – in Ruhe und im eigenen Tempo.
Es gibt kein „richtiges Tempo“ und keine Pflicht, alles sofort zu tun. Die Diagnose ändert nicht, wer Sie sind – sie gibt vielem, was Sie schon lange erleben, einen Namen und einen Rahmen.
Was diese App enthält
Erste Schritte: eine Checkliste für die Zeit nach der Diagnose, abhakbar, ohne Zeitdruck.
Anlaufstellen: Beratungsstellen, Therapiezentren und Selbsthilfegruppen in Witten, Bochum und Dortmund.
Wissen: verständliche Erklärungen zu autistischem Erleben – Reizverarbeitung, Masking, Overload und mehr.
Selbstbeobachtung: ein kurzer täglicher Check-in zu Energie, Reizbelastung und Stimmung. Die Einträge bleiben nur auf diesem Gerät.
Als App auf dem Handy installieren
Android (Chrome): Menü (⋮) → „App installieren“ bzw. „Zum Startbildschirm hinzufügen“.
iPhone/iPad (Safari): Teilen-Symbol → „Zum Home-Bildschirm“.
Damit die Installation angeboten wird und die App offline funktioniert, muss sie über eine Webadresse (HTTPS) aufgerufen werden – z. B. in einem eigenen Unterordner einer bestehenden Website. Direkt als Datei geöffnet funktioniert alles außer Offline-Modus und Installations-Dialog.
Über diese App
Der Spektrum-Kompass wurde erstellt von der Psychotherapeutischen Praxis Ralf Jostes – Praxisgemeinschaft Psychologischer Psychotherapeuten, Breddestraße 24, 58452 Witten.
Diese App ist eine Informations- und Orientierungshilfe und kein Medizinprodukt. Sie dient nicht der Diagnose, Behandlung oder Überwachung von Erkrankungen und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung.
Erste Schritte nach der Diagnose
Eine Orientierung – nicht jede*r braucht jeden Schritt, und die Reihenfolge ist nicht fest. Ihr Fortschritt wird auf diesem Gerät gespeichert.
Anlaufstellen in der Region
Autismus verstehen
Kurze, verständliche Erklärungen. Jeder Abschnitt lässt sich einzeln öffnen.
Was bedeutet die Diagnose?
Autismus (Autismus-Spektrum-Störung, ASS) ist eine angeborene, lebenslange Besonderheit der neurologischen Entwicklung – keine Krankheit, die „geheilt“ werden müsste. Das Gehirn verarbeitet Reize, soziale Signale und Informationen anders.
„Spektrum“ bedeutet: Autismus zeigt sich bei jedem Menschen anders. Zwei autistische Personen können sehr unterschiedliche Stärken und Schwierigkeiten haben.
Viele Erwachsene erleben die Diagnose als Erleichterung: Sie erklärt jahrzehntelange Erfahrungen von „Anderssein“, Erschöpfung und Missverständnissen.
Wahrnehmung und Reizverarbeitung
Viele Autist*innen nehmen Sinnesreize intensiver wahr (Hypersensibilität) – Geräusche, Licht, Gerüche, Berührungen – oder in manchen Bereichen schwächer (Hyposensibilität). Beides kann gleichzeitig vorkommen.
Reize werden weniger automatisch gefiltert. Ein Großraumbüro, ein Supermarkt oder eine Familienfeier können dadurch schnell erschöpfen, auch wenn „nichts Besonderes“ passiert.
Hilfreich: Reizquellen erkennen und reduzieren (Kopfhörer, Sonnenbrille, Rückzugsorte, Pausen einplanen). Das ist keine Schwäche, sondern sinnvolle Selbstfürsorge.
Soziale Kommunikation
Nonverbale Signale (Blickkontakt, Tonfall, Andeutungen) zu deuten kostet oft bewusste Anstrengung, die bei anderen automatisch abläuft. Small Talk kann anstrengender sein als ein Fachgespräch.
Viele Autist*innen kommunizieren direkt und wörtlich – das ist ein anderer Kommunikationsstil, kein Defizit. Missverständnisse entstehen auf beiden Seiten („Double Empathy Problem“).
Hilfreich: Nachfragen normalisieren, klare Absprachen bevorzugen, dem Umfeld den eigenen Stil erklären.
Masking – das Verbergen autistischer Merkmale
Masking (Camouflaging) bedeutet, autistische Verhaltensweisen bewusst oder unbewusst zu unterdrücken und neurotypisches Verhalten zu imitieren – z. B. erzwungener Blickkontakt, einstudierte Gesprächsfloskeln, unterdrücktes Stimming.
Langjähriges Masking ist extrem kraftraubend und ein Hauptgrund für späte Diagnosen und autistischen Burnout. Nach der Diagnose beginnen viele, das Masking schrittweise und dosiert abzubauen – dort, wo es sich sicher anfühlt.
Overload, Meltdown, Shutdown
Overload: Überlastung durch zu viele Reize oder Anforderungen – das Nervensystem ist „voll“.
Meltdown: unkontrollierbare Entladung der Überlastung nach außen (Weinen, Schreien, Bewegungsdrang). Kein Wutanfall und keine Absicht.
Shutdown: Rückzug nach innen – Sprechen, Bewegen oder Reagieren wird schwer bis unmöglich.
Hilfreich: Frühwarnzeichen kennenlernen (die Selbstbeobachtung in dieser App kann dabei helfen), rechtzeitig Reize reduzieren, Rückzugsmöglichkeiten schaffen. Nach einem Meltdown/Shutdown braucht der Körper Erholung – wie nach einer körperlichen Erschöpfung.
Autistischer Burnout
Ein Zustand tiefer Erschöpfung mit Verlust von Fähigkeiten (z. B. Sprache, Alltagsorganisation) und erhöhter Reizempfindlichkeit, meist nach langen Phasen von Überforderung und Masking. Er unterscheidet sich vom beruflichen Burnout und von Depression, kann aber mit beidem verwechselt werden oder gleichzeitig auftreten.
Hilfreich: Anforderungen radikal reduzieren, Erholung ohne schlechtes Gewissen, Unterstützung einfordern, langfristig die Lebensumstände an die eigenen Grenzen anpassen.
Stimming und Spezialinteressen
Stimming (selbststimulierendes Verhalten wie Wippen, Fingerbewegungen, Summen) reguliert das Nervensystem. Es ist gesund und sollte nicht unterdrückt werden, solange es niemanden verletzt.
Spezialinteressen sind intensive, tiefgehende Interessen. Sie sind eine große Ressource: Sie spenden Energie, Freude und oft echte Expertise – beruflich wie privat.
Exekutive Funktionen und Alltagsorganisation
Planen, Anfangen, Umschalten zwischen Aufgaben und Priorisieren können erschwert sein – unabhängig von Intelligenz. Auch „Autistic Inertia“ (Schwierigkeit, eine Tätigkeit zu beginnen oder zu beenden) gehört dazu.
Hilfreich: feste Routinen, äußere Strukturen (Listen, Erinnerungen, Timer), Aufgaben in kleine Schritte zerlegen, Übergänge bewusst gestalten.
Häufige Begleiterscheinungen
Bei Autist*innen treten häufiger zusätzlich auf: ADHS, Angststörungen, Depressionen, Schlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden und Alexithymie (Schwierigkeit, eigene Gefühle zu erkennen und zu benennen).
Diese Themen gehören in fachliche Begleitung – sprechen Sie sie bei Behandler*innen aktiv an, denn sie werden bei Autismus leicht übersehen oder fehlinterpretiert.
Täglicher Check-in
Ein kurzer Blick auf den eigenen Zustand hilft, Muster und Frühwarnzeichen zu erkennen – z. B. bevor ein Overload entsteht. Alle Einträge bleiben ausschließlich auf diesem Gerät.
Meine Ressourcen heute
Der Blick auf das, was gelungen ist, stärkt – gerade an anstrengenden Tagen. Auch kleine Dinge zählen: ein Anruf, eine Pause zur richtigen Zeit, ein gutes Gespräch.
Bisherige Einträge
Noch keine Einträge vorhanden.
Gesprächsprotokolle
Hier können Protokolle oder Transkripte aus Therapie- und Beratungsgesprächen abgelegt werden – zum Nachlesen im eigenen Tempo. Alles bleibt ausschließlich auf diesem Gerät.
Per QR-Code aus der Praxis empfangen
Wenn in der Praxis ein Protokoll als QR-Code am Bildschirm gezeigt wird: Kamera starten und auf den Bildschirm richten. Bei längeren Texten wechseln mehrere Codes automatisch – einfach draufhalten, bis alle Teile eingelesen sind. Die Reihenfolge ist egal.
Protokoll als Datei laden
Textdateien (.txt, .md) auswählen – z. B. ein Transkript, das Sie aus der Praxis erhalten haben. Mehrere Dateien gleichzeitig sind möglich.
Oder: Text direkt einfügen
Gespeicherte Protokolle
Noch keine Protokolle vorhanden.
Hilfe in Krisen
Sofortige Hilfe
Bei akuter Gefahr für sich oder andere: 112 (Notruf)
Telefonseelsorge, rund um die Uhr, kostenlos und anonym: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 – auch per Chat und Mail: telefonseelsorge.de
Ärztlicher Bereitschaftsdienst (außerhalb der Praxiszeiten): 116 117
Bei Overload oder Shutdown – kurzfristig
Reize reduzieren: ruhiger Raum, Licht dimmen, Kopfhörer. Keine Entscheidungen oder Gespräche erzwingen. Wasser trinken, wenn möglich. Vertrauter Gegenstand oder gewohntes Stimming kann helfen. Danach: ausruhen ohne schlechtes Gewissen – Erholung ist notwendig, nicht Faulheit.
Für Angehörige im Akutfall
Ruhig bleiben, wenig sprechen, keine Berührung ohne Einverständnis, Reize reduzieren, Zeit geben. Nicht ausfragen („Was ist denn los?“) – das erhöht den Druck. Später in Ruhe gemeinsam besprechen, was hilft.